Kaas+Heger: ein Keramiker nutzt Instagram

Als ich Anfang 2017 ein Instagram Anfänger-Seminar für die Keramiker aus Höhr-Grenzhausen gemacht habe, hätte ich selber nicht gedacht, dass einer der Teilnehmer „durch die Decke“ gehen wird.
Keramik und Handwerk sind ein tolles Thema. Aber ehrlicherweise sind die großen Influencer auf Instagram keine Handwerker oder Keramiker.
Einer der Teilnehmer war Emil Heger von Kaas+Heger. Er hatte zu dem Zeitpunkt einen kleinen Account mit weniger als 100 Fans. Heute hat Kaas+Heger über 3.000 Fans. Niemand anderes aus dem Kurs hat auch nur annähernd so viele Fans erreicht. Deshalb fahre ich zu ihm um persönlich darüber zu reden.

Keramik auf Instagram

Der Wandel von Keramik läßt sich in den letzten Jahren vielleicht gut beschreiben mit „von der Alltagskeramik hin zum Designobjekt“. 
Emil sagt, dass es ganz wichtig ist zu verstehen, was man für ein Produkt macht. Er hat mit seinen Objekten insofern Glück, als das das Design aktuell angesagt ist. Es ist eine komplette Reduzierung auf Einfachheit. Das bestätigt z.B. auch der Besuch mit den Bloggern, die gefühlt bei Kaas+Heger alle Hemmungen fallen ließen und sich im Shoppingrausch befanden.

Emil hat sich zu Herzen genommen, dass ich sagte, dass Regelmäßigkeit das A und O ist. Die Meisten fangen ja enthusiastisch an und lassen stark nach. Aber Kaas+Heger hatte beschlossen Instagram durchzuziehen. Es ist wichtig, das die Bildsprache das Produkt wiedergibt.

Emil macht sich darüber viele Gedanken. Auf dem Account sieht man, dass das klare und einfache Design des Produktes auch in den Fotos aufgenommen wird. Das Geschirr wird nicht plötzlich in Deko ertränkt, sondern es steht für sich in seiner Schlichtheit auf einfarbigen Untergründen.

Jeder hat andere Stärken und so sagt Emil, dass er zwar 50 Fotos in einer Stunde machen kann, die er für den Account nutzen kann. Aber für einen einzigen Satz, den er dann unter das Foto schreibt in Instagram, benötigt er eine ganze Stunde.
Wenn man überlegt, welchen Social Media Kanal man nutzen möchte, ist es wichtig die eigenen Stärken zu kennen. Wer nicht fotografieren kann, sollte nicht Instagram nutzen. Wer gut schreibt, ist vielleicht besser bei Twitter oder Facebook aufgehoben. Kaas+Heger haben als Künstler, die sie sind, mit Instagram den richtigen Kanal gefunden, finde ich.
Kommen wir noch mal auf das Glück zu sprechen. 

Sich vernetzen ist wichtig

@jonosmart ist ein Keramiker aus UK mit 80.000 Fans. Sein Stil ist dem von Kaas+Heger sehr ähnlich. Er entdeckte die Keramiker aus Höhr-Grenzhausen und regramte sie auf seinem Account. 80.000 Fans sahen nun die Objekte und natürlich gab es da innerhalb weniger Tage einen großen Zuwachs an Fans.

 

Genau das macht Social Media aus. Man vernetzt sich und likt die Fotos anderer, schreibt seine Kommentare unter anderer Menschen Fotos.  Emil empfindet Instagram als Bestätigung für das eigene Produkt. Das ist ein schönes Gefühl. Menschen aus der ganzen Welt kommentieren deine Fotos und geben positives Feedback.

Es kommen auch neue Kunden über Instagram, erzählt er, aber es müsste eine Verbindung zu einem Webshop da sein, um dies effektiv zu nutzen. Ein Webshop beinhaltet aber wieder die Verpflichtung täglich Bestellungen einzupacken und abzusenden. Es entsteht eine Logistik, die bisher nicht existiert. Kaas+Heger muss nun für sich überlegen, ob sie eine solche Vermarktung für ihr Produkt wollen oder nicht. Es gibt z.B. auch die Variante nur einmal im Monat den Webshop zu öffnen. Es gibt Keramiker, die das so handhaben und dann auf Instagram verkünden „Ab heute offen“. Damit würde Logistik eingrenzen und noch genügend Raum im Monat für Kreativität erhalten. Der Webshop als eine Art Pop-up Store.

 

In jedem Fall toll zu sehen, dass es immer wieder Möglichkeiten gibt mit Social Media. Vielleicht entscheidet man am Ende trotzdem, dass dies nicht die Form des Marketing ist, die man verfolgen möchte. Aber es ist wichtig, es zu verstehen.

Auf die nächsten 3.000 ;D

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