Instagramer einladen?

Einige Gastronomen bekommen Anfragen von Instagramern (Bloggern), die fragen, ob der Gastronom sie einlädt.

Lachende Gruppe spielt mit ihren Handys im Restaurant

„Sie laden mich ein und im Gegenzug poste ich ein Foto von dem Essen oder dem Restaurant noch am gleichen Abend auf Instagram.“

Der Gastronom läßt sich dann Instagram zeigen (für viele ein gänzliche unbekanntes Medium) und wird vom Instagramer bequatscht: Ich habe 400 Fans und bekomme für jedes Foto 200 Likes.

Natürlich ist der Gastronom begeistert und denkt sich „Oh, das sind ja eine Menge Leute die von dem Foto erreicht werden und mich kostet es quasi nichts.“

 

Woran erkennt man aber einen „guten“ Instagramer?

Hier möchte ich ein paar Anhaltspunkte geben, woran man einen „guten“ Instagramer erkennen kann. Ob man das, was der Instagramer macht gut findet oder ihn dann zum Essen einlädt, muss jeder Gastronom für sich entscheiden.

 

Impressum

Ein Instagramer, der geschäftlich auf der Plattform unterwegs ist, muss ein Impressum haben. Wer als Privatperson an die Öffentlichkeit tritt, zeigt wer er ist und versteckt sich nicht. Instagramer, die komplett anonym agieren, bereiten mir Bauchschmerzen. Ich bekomme täglich Nachrichten von Stalkern, die sich alle verstecken. Wer ehrliche Arbeit macht oder ganz normal aus seinem Leben berichtet, muss sich nicht verstecken.

Wer das Ganze „nur privat“ nutzen will, macht einen geschlossenen Account, denn dann können ihn auch nur Mama, Opa, Enkel sehen. Geschlossene Accounts sind natürlich für den Gastronomen nicht interessant, weil diese Accounts nur einen sehr  begrenzten Personenkreis erreichen.

 

Kommentare

Laut Instagram ist die aktuelle Interaktionsrate bei 4,8%. Wenn also jemand mit 10.000 Fans für sein Foto 60 Likes und 2 Kommentare bekommt, dann ist das erstmal zu wenig. Das kann Gründe haben wie „War halt wirklich ein doofes Foto“, „Foto kommt thematisch nicht an“ und so weiter. Wenn das bei einem Account immer der Fall ist, dann sollte man sich den Account genauer anschauen.

Nehmen wir doch mal diesen Bonner Nutzer als Beispiel (siehe links). Er war gerade auf Einladung des Restaurants Pepe dort und hat 4 Kommentare unter seinem Foto und 63 Likes. Das ist gut.

Alle 4 Kommentare sind von 4 Marken: eine Pizzeria in Italien, ein Krypto-Business-Dude, ein Fashion Online Shop bei Hannover und ein Experte, der kostenfrei seinen persönlichen Umsatz-Booster auf Instagram beworbt.

 

Zum Vergleich nehmen wir das letzte Foodfoto in einem Bonner Cafe von MissbonneBonne.

Sie hat das 3-fache an Fans verglichen mit dem Instagramer, den wir uns gerade angeschaut haben. Ihr Foto hat im Vergleich 195 Likes und 10 Kommentare.

Die Kommentare sind alle persönlich und Firmen sind nicht zu finden. Zudem reagiert MissBonneBonne auf viele Kommentare persönlich. Da bedankt man sich für den Tipp oder erzählt, dass man selber schon da war. Manche kommen auch nicht aus Bonn und verfolgen MissBonneBonne eher für andere Themen, freuen sich trotzdem und kommentieren das. Genau so müssen Beiträge aussehen und die Kultur aussehen.

Was ich sagen möchte: ein guter Instagramer löscht mehrheitlich die dummen automatisierten Werbekommentare und bei einem guten Instagramer wird unter einem Beitrag interagiert und nicht bloß reagiert – Gespräche entstehen.

 

Fans in Bonn oder dem Irak?

Das bringt mich auch direkt zu dem Punkt, dass du natürlich einen Instagramer mit 5.000 Fans einladen kannst. Aber wenn nur 3 seiner Fans in Bonn sind und die anderen gekauft wurden und im Irak sitzen, dann ist das für dich als lokales Restaurant nicht deine Zielgruppe.

Musst du dir jetzt alle 5.000 Fans anschauen? Ja oder du zahlst, um Zugriff auf Datenbanken, wie z.B. die von influencer.db zu bekommen. Oder du engagierst jemanden, der das für dich macht (ja, ich mache soetwas).

Schauen wir uns diesen Bonner Instagramer und Blogger an, der über 5.000 Fans hatte. Ende 2015 wurde der Account registriert. Im Frühjahr 2017 gingen die Fanzahlen innerhalb von 1 Woche von 150 auf 3.000 hoch. Das ist mit natürlichem Wachstum nicht zu schaffen. Jeder von euch, der einen Account mit natürlichem Wachstum hat, weiß das.

Dementsprechend sehen dann auch die Accounts aus, die die Fotos liken: Menschen aus allen Ländern dieser Welt.

Dagegen spricht überhaupt nichts, aber macht es Sinn für einen Bonner Gastronom ihn einzuladen? Nein, eher nicht.

Was habt ihr von schönen und fancy Accounts, wenn nicht eine relevante Zahl der Fans in der Region sitzt und deswegen bei euch vorbeikommen kann?

 

Nicht-Privat Accounts haben übrigens auf Instagram die Statistiken

Bei mir sehen die z.B. so aus:

Interessant sind die 3 häufigsten Städte aus denen die Fans kommen. Bei mir sind das Bonn und mit weitem Abstand kommen dann Köln und Königswinter.

Man kann aber auch wischen in der Statistik und dann sieht man die beliebtesten Länder.

Auch ich kann nicht verhindern, dass ich Fans aus anderen Ländern habe. Will ich ja auch gar nicht.

Da sind Freunde dabei, die im Ausland leben, da sind auch 2 Bonnerinnen, die in den USA leben und da sind Bots und Marketing Menschen von sonstwo, die folgen, weil siehoffen, dass man zurück folgt.

 

Schlechte Kommentare? #Halloekelitaliener und #ristorantelavitaniewieder

Illegales und falsche Behauptungen darf man natürlich nicht im Internet schreiben, da schützt uns das Gesetz. Aber respektlos und böse darf man bis zu einer bestimmten Grenze sein.

Wenn jemand seine Fotos mit #halloekelitaliener (als Hashtag für einen Bonner Spanier) kennzeichnet oder mit #ristorantelavitaniewieder , dann darf er das.

Ich persönlich empfinde so etwas nicht als professionell. Und ich möchte mit positiven Menschen und professionellen Menschen zusammen arbeiten.

Wollt ihr solche Instagramer wirklich unterstützen? Überlegt es euch bitte. Natürlich kann jeder mal einen schlechten Tag haben. Wegen EINEM Ausrutscher würde ich auch niemanden verurteilen.

Mir schrieb Astrid vom Strandhaus letzthin auch, dass ich nicht so hart über Azubis urteilen soll (ich sagte lachend in einer Story, dass ich auch schon Ansprechenderes gesehen habe) und ich fand nach 1 Stunde Nachdenken, dass sie Recht hat und habe die Story gelöscht.

Wenn man sucht, dann findet man auf jedem Account irgendeine Sünde. Deswegen ist der Gesamteindruck entscheidend und natürlich die aktuellen Entwicklungen.

 

FAZIT

Mein Rat und meine Tipps an euch sind deswegen:

  • Lieber ein Bonner Account mit nur 200 Fans, die aber fast alle in Bonn sind, als ein Account mit 5.000 Fans von denen 3 aus Bonn sind
  • ein guter Instagramer  hat echte Fans
  • ein guter Instagramer hat unter seinen Fotos Kommunikation mit Freunden oder Fans (Achtung, es gibt natürlich Leute, die sich dann 5 Fake Accounts anschaffen um zu kommunizieren :)
  • gute Instagramer sind professionell
  • wenn die Instagramer schon größer sind, können sie dir Feedback von echten Fans zeigen, die aufgrund ihres Fotos wo hingegangen sind
  • gute Instagramer haben in der Regel nicht nach 4 Wochen 3.000 Fans
  • gute Instagramer haben ein Impressum, wenn sie als Marke auftreten

2 Gedanken zu „Instagramer einladen?

  • 29. Januar 2018 um 18:44
    Permalink

    Besonders schön ist ja, dass der Kommentar von Nadine (nicht mehr vorhanden – Anmerkung von Karin) dich direkt als Person angreift und sich nicht mal mit dem Inhalt auseinander setzt.

    Dass Instagram eben keine Community mehr ist, sieht man übrigens daran, dass hier schlicht und ergreifend Marken aktiv sind und hier werben bzw. kommunizieren. Natürlich kann das für viele immer noch ein Hobby oder eine Community sein, jedoch ist es mittlerweile eben auch viel mehr als das.

    Und wenn sich dieser Bonner Instagram, der seit Tagen jeden einzelnen Post von mir liket, ohne mich zu kennen, finde ich das sehr befremdlich. Dass er sich dann noch mit seinem Account offenbar versucht, an kostenloses Essen zu kommen, ohne ein ladungsfähiges Impressum zu haben, ist eigentlich ein schlechter Scherz und eventuell sogar abmahnfähig im Sinne von Wettbewerbsgesetzen.

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