Wie der Bonner Tourismus schläft…

Schlaf ist sehr wichtig und kann auch Gutes tun. Schönheitsschlaf oder Dornröschen, die den Prinz nach 100 Jahren Schlaf heiratet. Schlaf ist so unschuldig und schön.

Bonn schläft auch. Ganz tief. Muss denn jede Stadt quirlig und laut sein? Nein, nein ….bloß nicht. Dann sind alle quirlig und laut und auch nur wieder gleich. Aber es gibt einen Unterschied zwischen schlafen und verschlafen und das hat nichts mit „Ich muss nicht auf jeden Zug aufspringen“ zu tun.

Bekanntermaßen bin ich a) sehr social media (internet) affin und b) spiele ich gerne PokemonGo, was derzeit in aller Munde ist.

Screenshot 2016-08-05 17.58.25Bei PokemonGo gibt es sogenannte Pokestops. Das sind Haltepunkte an denen man Bälle und Belebungstränke sammeln kann (notwendig im Spiel) und eben auch die kleinen Pokemon (putzige Fantasietierchen).

Wo sind die Pokestops?

Übernommen wurden sie aus einem anderen Spiel (Zielgruppe eher studentisch und nerdig), wo die Spieler sie anlegen konnten. Aber de facto kann man sagen, dass Punkte, die man in Google Maps als Sehenswürdigkeit findet, auch mit 99% ein Pokestop sind.

Spieler des Spiels sieht man nun also seit ca. 1 Monat von Pokestop zu Pokestop laufen, weil sie die Bälle brauchen und die Pokemon fangen möchten. Manche rasen schnell mit Tunnelblick und Handy in der Hand durch die Stadt, aber die meisten Spieler machen einfach längere Spaziergänge am Wochenende und entdecken die Stadt.

Bonner entdecken ihre Stadt

An der Kennedybrücke am Hilton gibt es 2 solche Stops nebeneinander. Der Eine ist die Erinnerungsstätte an die alte Synagoge in Bonn, die 1938 zerstört wurde.

2016-08-12 12.58.01Ich bin da auch öfter und sehe immer wieder, wie die Pokemonspieler vor der Gedenktafel stehen bleiben und sich alles anschauen. Man hat Zeit als Pokemonspieler an den einzelnen Stätten :-)

Über Twitter wurde ich aufmerksam gemacht, dass es in der Altstadt einen alten Bunker gibt. Da lebte ich 10 Jahre in der Altstadt, aber der Bunker war mir unbekannt. Also schnell mal hinlaufen und anschauen und natürlich die Bälle einsammeln.

Gestern lief ich zum Chinaschiff runter, denn hier gibt es sage und schreibe 3 Pokestops, die man gleichzeitig erreicht. Ein Pokemon Eldorado also.

Was sehe ich? Ein Hiroshima Mahnmal. Steht das schon immer da? Wenn ja entschuldige ich mich, denn ich habe es noch nie wahrgenommen. Aber heute sah ich es, filmte es, las noch mal kurz in Wikipedia die wichtigsten Zahlen nach und dann sammelte ich meine Bälle und Pokemon.

Geschichte und Kunst

2016-08-07 16.35.04-2Jeden Tag entdecke ich was Neues in Bonn. Viel Geschichte, aber auch viel Kunst. Ich kenne alle Hauswandgemälde und gefühlt auch jeden bemalten Stromkasten mittlerweile. Die findet man zwar nicht auf Google Maps, aber sie sind beliebte Pokestops in dem Spiel. Und am Hofgarten schaue ich mir den wunderschönen Stromkasten fast täglich an.

Besonders beeindruckt hat mich aber die Hauswand vom Puff am Knauber. Wunderschön.

 

Was hat der Tourismus damit zu tun?

Ich hätte es toll gefunden, wenn die Stadt einfach mal ganz hipp auf den Zug aufgesprungen wäre. Stadtführungen für die neuen Studenten die im Oktober kommen entlang von Pokestops.

Thematische Stadtführungen wie z.B. die NS-Zeit in Bonn anhand von Pokestops nacherzählen. Oder Streetart-Führungen anbieten.

Aber auch mit Blogger Events kann man viel ausrichten. Namhafte Blogger einladen (Nein, nicht googeln und die ersten 10 Blogger anschreiben!) zu einem Wochenende in Bonn.

Screenshot 2016-08-12 17.50.59Dann bietet man mal begeisterten Bloggern, die AUCH Pokemon spielen, ein Wochenende mit Spiel, Spaß und Spannung. Das macht man 3 Mal im Jahr und schon hat man 3 Mal im Jahr tolle Bewertungen im Netz und liebevolle, authentische Artikel von Menschen, denen das Wochenende wirklich gefallen hat. Natürlich sollte es nicht immer um Pokemon gehen. Aber um unterschiedliche Zielgruppen zu bedienen, wäre es eben eine weitere Möglichkeit gewesen.

Aber die Stadt hat kein Geld. Der Tourismus der Stadt hat kein Geld. Das bedaure ich sehr, denn ich habe zu viele Ideen, was man alles machen könnte über die Sozialen Medien.

Aber das käme einem Paukenschlag gleich.

Also schläft Bonn weiter. Vielleicht schläft die Stadt aber zu tief und fest in Sachen Tourismus.

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2 Gedanken zu „Wie der Bonner Tourismus schläft…

  • 14. August 2016 um 18:57
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    Das Entdecken ist ein sehr reizvoller Aspekt für mich. So stolperte ich dieser Tage in der Thomas-Mann-Straße durch einen Pokéstop über das Geburtshaus von Hermann Josef Abs. Who the fuck is Hermann Josef Abs, mag man jetzt vielleicht fragen. Der Herr war mal Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank und danach stand er dem Aufsichtsrat vor, eine insgesamt recht schillernde Persönlichkeit … War mir bisher nicht bekannt, dass er aus Bonn stammt … Architektonisch gibt es auch ne ganz Menge zu entdeckten. Insofern werde ich mit Sicherheit noch den ein oder anderen Pokémon jagen :)

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  • 13. August 2016 um 19:43
    Permalink

    Die Stadt hat jede Menge Geld. Es wird nur leider an den falschen Stellen ausgegeben. Zumal wäre solch ein Event für Peanuts zu haben.

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