Snapchat – Ich liebe es und bin 50. Was stimmt mit mir nicht?

Als ich mich im Spätsommer mit Sascha Foerster auf einen Dönerteller traf, wollten wir uns „heimlich“ Snapchat beibringen. Wir hatten es beide nicht verstanden, was uns als „Kenner des Digitalen“ wahnsinnig machte. Waren wir als 30-Jähriger und 45-Jährige nun wirklich aus dem Rennen? War es das für unser hippes Dasein?

Snapchat-4566405533497156657   Das Treffen endete damit, dass Sascha sich stundenlang über die Gesichtsfilter amüsierte und ich einen Snap nach dem anderen bekam in dem sein Gesicht einer Ente glich oder Katze oder einem Darth Vader oder er einen Regenbogen kotzte. Mir blieb nichts, als auch weiterhin den Kopf zu schütteln und „So ein Scheiß“ verächtlich zu murmeln.

Snapchat-1500673590142564173Im Jan/Feb 2016 packte es mich plötzlich. Von heute auf morgen habe ich die Bedienung verstanden und plötzlich machte alles Sinn.

Sinn? Welchen Sinn hat denn Snapchat?

Welchen Sinn hat Instagram? Welchen Sinn macht es, das ich da jeden Tag mein Essen hochlade? Genau. Und genau den Sinn macht jedes soziale Netzwerk.

Kommunikation vor 100 Jahren und heute

Natürlich können sehr viele Menschen und gerade Ältere wenig mit Sozialen Medien und folglich auch Snapchat anfangen. Das hat auch was mit Kommunikationskultur zu tun. Menschen, die den 2. Weltkrieg erlebten, haben fortan in der Mehrheit ein unauffälliges Leben gelebt.

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Added mich unter karin121069

Auffallen konnte in den Kriegsjahren tödliche Folgen haben. Diese Dinge wurden natürlich an die Generationen danach weitergegeben. Deswegen versteht meine Generation auch nicht, wie man sich freiwillig nach Außen präsentieren kann. Findet das sogar schlichtweg pervers. Menschen, die sowas machen, haben keine Werte mehr etc. Konform in der Masse mitschwimmen ist überlebenswichtig. So wurde es ihnen beigebracht.

„Erhalten“ wird mit den Alter für viele zu einer wichtigen Tugend. Ich merke das selber, dass der Kopf etwas langsamer wird und es mühsamer wird Neues zu lernen. Wenn man dann von der Art her nicht wie ich immer den Drang hatte Neues zu tun und zu finden, dann kommt eben öfter ein „das hab ich in meiner Jugend auch nicht gebraucht“. Dieser Satz ist kein Argument. Er sagt nur etwas über dein Alter im Kopf aus.

PS: als ich letzthin einen 25-jährigen erfolgreichen YouTuber über Snapchat sagen hörte, dass er dieses neue Zeugs nicht braucht, dachte ich sofort „Junge, du bist hiermit offiziell alt und wirst untergehen, wenn deine Haltung so bleibt.“

Snapchat – der bunteste Marktplatz des Netzes

Die Welt verändert sich. Das ist toll, weil wir dadurch die Chance haben immer auch Dinge zu verbessern, neuen Werten anzupaßen und Neues zu erfinden.

Der neueste Shice ist also Snapchat und ich liebe es mittlerweile.

Erfolgreich ist auf Snapchat fast ausschließlich der- oder diejenige, die bereit ist sich zu zeigen. Gesichtslose Accounts in denen nur die putzige Natur und die Katze gezeigt werden, gehen langsam unter.

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Auf Snapchat will man die dreckige Wahrheit. Werden Bibi & Co auf YT gestylt sind und mit perfekten Inszenierungen ihre Millionen Fans begeistern, sieht man sie auf Snapchat im Alltag. Da filmt sich jeder im Bett beim Aufstehen, zoomt die Pickel nah ran, zieht unansehnliche Fratzen, singt laut und schief mit und wenn das Butterbrot runterfällt und dabei mit der Nutellaseite auf den Zehen landet, war Snapchat dabei.

<3

Unterschied zu Twitter, FB & Co für MICH

Als Bloggerin, Influencerin, Herausgeberin, Medientante oder was auch immer ich für euch bin, bieten mir die Sozialen Medien neben Freiheit auch ganz viel Druck in Form von Zahlen an.

Kooperationspartner wollen deine KPIs. Wie viele Fans wo, welche Altersklasse, wie viele Klicks monatlich (bereinigt), wie lange bleibt der Fan auf deinem Blog, wie viele Abonnenten bei YT, schauen die bis zum Ende …. das geht unendlich weiter und natürlich biete ich das auch jedem zum Nachlesen an.

Auf Snapchat bin ich …. #karin121069 (entschuldigt den blöden Namen … ich dachte ja nicht, dass ich da bleibe). Ich habe keine Ahnung, wie viele Freunde ich habe, ob ich beliebt bin, ob die Leute meine Snaps schauen oder nur durchwischen. Hier bekommt man keine Likes, es gibt keine Reposts und verlinken kann mich auch niemand.

Ich bin. Ich bin ich. Ich bin ich ohne Zahlen, die meine Strategie bestimmen auf Snapchat.

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Menschen, deren Leben daraus besteht sich an dir abzuarbeiten … wow :-)

Sage ich auf Twitter oder FB was, dann muss ich mit Kommentaren rechnen. Diese Kommentare sind natürlich öffentlich und damit für jeden nachlesbar. Sie provozieren evtl. Kommentare von wieder anderen Menschen. Große Diskussionen entspannen sich. Im schlimmsten Fall kann man sich nun richtig hochziehen und reiben an der Meinung anderer.

Auf Snapchat gibt es das nicht. Ich habe sehr viel Interaktion (finde ich … das ist ja nur gefühlt). Aber man kommuniziert halt nur mit mir. Keine 30.000 anderen können sich einmischen, mitargumentieren und haten. Das tut gut. Snapchat ist Entspannung.

Keine Kommentarmöglichkeit – keine Hater

Für die typischen Hater aus dem Internet, ist Snapchat in etwa das furchtbarste Netzwerk aller Zeiten. Sie können sich hier nicht produzieren in den Kommentaren der Leute mit etwas 5-Minuten Fame. Denn es gibt keine Kommentare. Ist das nicht großartig?

Meine Entwicklung

Natürlich entwickele ich mich. Werde besser im Geschichten erzählen statt zusammenhanglose Snaps erzählen. Und nachts schneide ich alles zusammen und es landet noch ergänzt um Fotos auf YT.

Auch auf YT sehe ich eine Entwicklung schon nach wenigen Wochen und freue mich, dass ich plötzlich Anschluß zu Medien gefunden habe, die mir in den letzten Jahren etwas fremd waren.

Plötzlich kann ich mit Video etwas anfangen und habe mir die Canon Legria mini x gekauft, die die „großen“ YT alle haben und ich verstehe schon nach 2 Tagen warum.

Da ich mittlerweile auch noch Minecraft angefangen habe, besitze ich nun auch eine bessere Webcam für den iMac und ein super-Mikro … fange ich noch irgendwann das Gamen an? Hoffentlich nicht. Als 50-Jährige eher peinlich, oder?

Aber das Equipment kann man ja auch gut benutzen um schöne Interviews über die Gastro zu machen.

Wir müssen uns davon verabschieden zu glauben, dass das Internet eine gebündelte Kommunikation für uns anbieten wird. Es zerfitzelt immer mehr und bildet viele große Communities, die unter sich bleiben werden bzw. auch heute schon unter sich sind.

Ich werde mich auch weiterhin reinstürzen und nach den vielen neuen Möglichkeiten auch für meine Kunden aus der Gastro- und Tourismusszene suchen. Solange dabei meine Augen strahlen und das Begeisterungsfeuer auf meinen Wangen glüht, mache ich für mich alles richtig.

3 Gedanken zu „Snapchat – Ich liebe es und bin 50. Was stimmt mit mir nicht?

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